Ein Selfmade-Seebär auf der Seenkette

Wusterhausen/Dosse, den 30.05.2025
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Mit der Hertha-Auguste in die dritte Saison

 

Wer kennt ihn in Wusterhausen nicht? - Marco Schimpke.  Hobbyhistoriker und einer der weltgrößten Udo Lindenberg-Fans. Er selbst kennt nicht nur viele Wusterhausener von heute, sondern auch die von früher und von ganz ganz früher. Heimat – und Stadtgeschichte, das ist „sein Ding.“ Und das macht er, „egal was die anderen labern“ (Zitat: Udo Lindenberg). Wie sein Idol aus dem Hamburger Atlantic-Hotel, trägt er bevorzugt grüne Socken und Bilder von Udo L. zieren auch das Interieur der Hertha-Auguste.

 

Womit wir im Heute wären: Die Hertha-Auguste ist die Gegenwart der Fahrgastschifffahrt in Wusterhausen.

 

Und diese Gegenwart gebe es ohne Marco Schimpke nicht.

 

In seiner eigenen Vergangenheit hat er so einige berufliche Stationen hinter sich gebracht, aber wenn man sich mit ihm unterhält, zählt eigentlich nur das Hier und Heute. Und das heißt eben: Kapitän der Hertha-Auguste. Ok, man braucht kein Seepatent für das Schiff und bei dessen geringer Leistung wohl auch keinen Bootsführerschein. Aber wenigstens äußerlich macht Bootsführer Schimpke sich gut mit Seemannsjacke und -mütze. Die Optik muss schließlich stimmen.

Mit dem Elektro-Motor-Schiff hält er nun seit 2023 die Fahrgastschifffahrt am Leben, die inzwischen auf 97 Jahre zurückblickt. 

 

Damals fing Walter Dentler im Jahre 1928 an, Sommerfrischler über die Seenkette zu schippern. Ihm folgte sein Sohn Peter. Der brachte mit viel Herzblut und kreativem Unternehmergeist die private Firma durch die DDR-Zeit.

 

Nach der Wende wurde es wirtschaftlich schwieriger. Und so wurde 2016 die „Hertha“, das Gründungsschiff des Hauptstadt-Vereins HERTHA BSC 1892 verkauft und letztlich die „Neptun“ im Februar 2023 aus dem Wasser genommen.

 

Damit war das Ende der Wusterhausener Fahrgastschifffahrt eigentlich besiegelt.

 

Aber: „In kluger Voraussicht erwarb er (Peter Dentler – Anm. d. Verf.) vor einigen Jahren die ausrangierte Fähre, welche seit 1978 die Insel im Untersee mit den Ufern in Bantikow und Kyritz verband. Zusammen mit dem Wusterhausener Marco Schimpke zog er am 17. März 2023 das in die Jahre gekommene Fährschiff … auf den trockenen Uferbereich des Klempowsee in Wusterhausen.“ (Zitat: www.kyritz.de; Kyritz, den 28.08.2023)

 

Nach einer rekordverdächtigen Bauzeit von vier Monaten, war das neue Ausflugsschiff auf Basis der Fähre fertig. Die Highlights der Umgestaltung sind eine neue Reling mit Griffstangen aus Edelstahl, ein Schiebedach im Eingangsbereich und die vom Dach im Fahrgastraum herunterklappbaren Seitenfenster. Sie schützen die maximale Anzahl von 25 Fahrgästen bestens vor Regen, Wind und Wetter. Das frei begehbare Vordeck, eine Not-Toilette, sowie eine Bordsprech-Anlage zur Unterhaltung der Gäste mit Musik, Seemannsgarn und wissenswerten Informationen über Land & Leute runden das schöne und gemütliche Seegefährt ab.

Marco Schimpke verrät: „Wir haben sogar noch Originalteile der alten „Hertha“ verbaut.“

 

Im Juli 2023 ging es dann los mit den Seerundfahrten auf der Kyritzer Seenkette ab den Anlegestellen in Wusterhausen, Bantikow, Untersee-Insel und Kyritz. Charterfahrten ab 6 Personen sind auch jederzeit buchbar.

 

In diesem Jahr ging es am 21. März los. „Ostern war topp. Auch der 1. Mai lief aufgrund des anschließenden Brückentages super.“, so das erste Fazit des Saisonstarts. „Die Buchungen laufen sehr gut. Ich habe schon viele Vorbestellungen.“, freut sich Schimpke. „Seit ich in Berlin auf den dortigen Portalen werbe, kommen von dort richtig viele Anfragen. Das geht von Junggesellen-Abschieden über Sportvereine und Geburtstagesrunden bis Klassentreffen. Vom Zeltplatz kommt auch viel Kundschaft.“ Auch prominente Fahrgäste aus Funk und Fernsehen durfte er schon begrüßen und zeigt sich von deren Freundlichkeit begeistert.

 

Ein Wermutstropfen ist jedoch das deutsche Steuerrecht. „Die Mehrwertsteuer auf die Linienfahrten beträgt 7%, auf die Charterfahrten 19%! Nicht gerade günstig, wenn man sein Geld vorwiegend über den Charterbetrieb verdient.“

 

Aktuell kann er sich auch noch keine Vergrößerung des Betriebes vorstellen. „Ein zweites Schiff würde auch bedeuten, mindestens eine Person einstellen zu müssen.“, stellt Schimpke fest. „Dafür reicht es bei den aktuellen Betriebs-, Lohn- und Nebenkosten nicht.“

 

Das ist schade, denn die Nachfrage steigt in allen Altersklassen. „Neulich war eine Kita-Gruppe da, für die habe ich ein Fernglas bereitgehalten und jeder durfte mal kurz ans Steuer. Das kam sehr gut an und ist ausbaufähig.“, strahlt der Kapitän. 

 

Sein großes Hobby kommt natürlich auch nicht zu kurz: „Wenn´s gewünscht wird oder es sich gerade anbietet, erzähle ich natürlich auch Geschichten aus der Stadthistorie. Damit kann ich locker auch eine ganze Tour füllen, wenn die Stimme mitmacht. Aber ich will die Leute ja auch nicht zutexten, die wollen sich ja erholen und die Ruhe auf dem Wasser genießen. Aber die eine oder andere Anekdote kommt immer gut an.“

 

Auf die abschließende Frage, wie lange er denn die Saison plant, kommt ein verschmitztes Lächeln: „Ich fahre, solange der See nicht zufriert! Das bisher Späteste, war mal eine Fahrt im November. Hat Spaß gemacht. Den Fahrgastbereich kann ich zumachen. Frieren muss hier an Bord keiner.“

 

Warum das Schiff Hertha-Auguste heißt? – Hinkommen, mitfahren, Marco erzählt es Ihnen.

 

In diesem Sinne: Gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

 

 

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