Hofmusik des Kulturvereins am 24. Mai
„Ich will, dass die Leute zuhören, dass sie sich mit den Texten beschäftigen.“, sagt Heiner Dröse (Gitarre, Gesang), der männliche Teil der Band „Allet Jut“ nach dem Konzert auf die Frage, warum er so wenige Ansagen macht. „Ich könnte auch eine Stunde ´ne Rede halten; kein Problem oder Geschichten und Anekdoten erzählen, aber das ist nicht mein Ansatz.“
Nein, ein Selbstdarsteller ist der Musiker, Orts-Chronist und Hobby-Historiker aus Plaue nicht. Außer seinen knallroten Schuhen ist äußerlich nichts Auffälliges an ihm. Rikki, die die Violine spielt und somit den weiblichen Teil des Duos bildet, tritt ebenfalls dezent auf. Showgehabe - Fehlanzeige.
Kurz nach 18.00 Uhr greift Heiner Dröse vor ca. 40 Zuhörern in die Saiten. Inzwischen bescheint die Abendsonne den Innenhof und die Künstler. Der Rahmen passt somit schonmal.
Es erklingen Lieder von Hannes Wader, Reinhard Mey, Wolfgang Protze, Gerhard Gundermann und Stücke aus der eigenen Feder. Zwischendurch gibt es Instrumentalstücke, bei denen Rikki brillieren kann. Die Geige singt.
Wenn Dröse Songs seiner Liedermacher-Kollegen vorträgt, dann spielt er sie nicht einfach nur nach. Er macht sie sich zu eigen. Interpretiert sie in seinem eigenen Stil. Aus Reinhard Meys eher hintergründigen Klassik-Gitarren-Picking wird bei ihm z. B. ein kraftvoller Westerngitarren-Anschlag. Das ist eher Folkfestival als Studentenkneipe. Oder umgekehrt: Waders Demo-Hymnen holt er zurück in die Intimität einer Lagerfeuerrunde. Wo Gundermann rockte, wird’s bei Heiner Dröse Chanson.
Heiner und Rikki können leise und laut, zart und zupackend, virtuos und kräftig. Aber immer ist der Song im Vordergrund. Die Arrangements sind sparsam und geschmackvoll. Alles wirkt wie aus einem Guss, ohne eintönig zu sein. Es ist die Kunst der richtigen Dosis.
Die meisten der Lieder des Abends sind eher besinnlich, dringen ins Herz und in den Kopf gleichermaßen. Die eine oder andere Träne fließt auch, wenn die erste Liebe, wenn Kindheits- und Schulerinnerungen thematisiert werden, wenn Protzes „Alter Schulhof“ oder Meys „Zeugnistag“ erklingen. Oder wenn es um Abschied und Neubeginn geht. Man fühlt sich geborgen, sieht den ziehenden Wolken nach und vergisst die eine oder andere kalte Windböe.
„Allet Jut“ sind keine Musicbox der Liedermacher-Hits und -Gassenhauer. Einiges aus ihrem Repertoire kennen viele, aber sie fördern eben auch Unbekanntes oder Vergessenes zutage. So z. B. Liedermacher-Perlen aus der DDR. Hier gab es eben nicht nur den Oktoberklub auf der einen und Wolf Biermann auf der anderen Seite. Nicht nur Kampf- und Arbeiterlieder gegen bissige Systemkritik.
Es gab auch Lieder, die poetisch, nicht vordergründig politisch waren. Texte, die vom echten Leben erzählten, von Sorgen, Sehnsucht, Freude und vom kleinen Glück. Lieder, die sich lohnen gehört und weitergetragen zu werden.
„Wolfgang Protze und ich, wir waren in unseren Anfängen ganz harte Konkurrenten. Irgendwann trafen wir uns dann mal auf einer Liedermacher-Werkstatt, gerieten aneinander, stritten uns heftig, tranken dann einen und versöhnten uns. Seitdem war alles gut.“, erzählt Heiner Dröse dann doch noch eine Anekdote aus seiner persönlichen Geschichte im kleinen Kreis nach dem Konzert. Aber auch hier: Zurückhaltend, nichts aufblasen oder ausschmücken. Einfach und ehrlich.
Ob sie wiederkommen wollen? – „Gerne.“
Na, dann ist ja „Allet Jut“.
Ein Dankeschön den Helfern und Unterstützern aus dem Kulturverein Wusterhausen e. V.