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Spannende Lesung zum Abschluss der Fallada-Ausstellung

12.07.2017

Als Fallada die Prignitz fand

Finissage der  Ausstellung über den bekannten Erzähler rückt Perleberg in den Mittelpunkt

 

Eine Ausstellung, die für Wusterhausener Verhältnisse etwas aus dem Rahmen fiel, ist am vergangenen Sonnabend in Wusterhausen zu Ende gegangen.  Im Alten Laden des Herbst'schen Hauses - Heimstatt für das "Wegemuseum"-  ging es in der Finissage noch einmal um Hans Fallada. Ihm ist die Wanderausstellung "Familienbilder" gewidmet. Auf die Reise geschickt durch mittlerweile mehr als ein Dutzend deutscher Städte in Ost und West hat sie die Hans-Fallada-Gesellschaft mit Sitz im mecklenburgischen Carwitz bei Feldberg. Die Schau umfasst  22 Tafeln mit vielen interessanten Fotos. Sie zeigt die familiären Wurzeln und Verflechtungen im Leben Hans Falladas von frühester Jugend an bis zu seinem Wirken als Landwirt und schließlich weltbekannter Autor.

Roland Tille, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins, begrüßt herzlich alle Mitwirkenden und Gäste.  Kantorin Hayan Kim führt musikalisch durch den Nachmittag.
Dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf Wolfgang Hörmann. Der Journalist und Mitglied der Hans-Fallada-Gesellschaft spricht über einen der großen deutschen Erzähler, der 1893 als Rudolf Ditzen in Greifswald geboren wurde und im 1947 in Berlin verstarb. Leicht und locker kommt der Vortrag daher, das Publikum versinkt in die Welt von damals und fragt sich, ob nicht vieles, was heute geschieht, vergleichbar ist.  Die Zuhörer erleben noch einmal das Auf und Ab in Falladas Leben, werden an seine großen Bucherfolge erinnert. Dazu zählen „Der eiserne Gustav“ „Kleiner Mann, was nun?“ „Jeder stirbt für sich allein“ „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“, „Der Trinker“. Hans Fallada schrieb seine großen Romane in kürzester Zeit,  abhängig von Süchten, zu denen man auch seine "Schreibwut" zählen möchte. Die Figuren der Romane entstammen fast alle seiner unmittelbaren Umgebung. So liefern ehemalige Arbeitgeber, Ehefrau Suse und seine drei Kinder immer wieder Vorlagen für brillant geschilderte Charaktere. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass er sich den Alltag von der Seele schrieb. Seine Akteure sind oftmals Spielball der Gesellschaft, nicht Mitspieler.  Sie leben in Metropolen ebenso, wie auf dem "flachen Land". 1941 entstand der Roman "Die Stunde, eh' Du schlafen gehst", geschrieben innerhalb von sechs Wochen. Die „Münchner Illustrierte“ veröffentlichte ihn in Fortsetzungen. Es handelt sich bei diesem Liebesroman ausnahmsweise nicht um die "kleinen Leute", sondern um Unterhaltungslektüre, die in der Welt der Schönen und Reichen angesiedelt ist und mit der Hans Fallada Geld verdienen musste. Solche Geschichten sind zeitlos, politisch nicht anfechtbar und lenken die Leser mitten im Zweiten Weltkrieg für Momente von persönlichem Leid und Entbehrungen ab.  Handlung und Zusammenhang zur Prignitz lassen sich etwa so formulieren: Das Wusterhausener Wegemuseum befindet sich nahe der Bundesstraße 5, die Berlin mit Hamburg verbindet. Auf dieser Chaussee reisen der berühmte Schauspieler und Sänger Gerhard Babendererde und die junge Debütantin Ilse van Reep von Berlin nach Lübeck über Perleberg, wo sie in einem Gasthaus am Markt rasten, um später weiter ins Glück zu fahren. Der Wirt berichtet den Gästen von Perleberger Besonderheiten, wie dem alten Rathaus, der Rolandfigur, der Perleberger Glanzwichse, und einem mysteriösen, bis heute nicht aufgeklärten Kriminalfall. Der 1809 inkognito reisende englische Gesandte in Wien, Lord Bathurst , der von Wien nach England unterwegs ist, verschwindet in Perleberg vor den Augen vieler Zuschauer spurlos beim Einsteigen in seinen Vierspänner. Eine wahrlich gruselige Geschichte, in der Kaiser Napoleon die Fäden gesponnen haben soll. Die Nachforschungen belegen, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt, die Fallada gut recherchierte. Im Museum der Prignitz-Stadt ist dazu eine Broschüre mit dem Titel „Das Geheimnis von Perleberg - gesammelte Schriften über das Verschwinden Lord Bathursts in Perleberg“ zu haben.


Text und Foto: Frauke Borchardt